Glücklichsein

Das PERMA-Modell: Fuenf Dimensionen, die erklaeren, was ein gutes Leben ausmacht

13. April 2026
Das PERMA-Modell: Fuenf Dimensionen, die erklaeren, was ein gutes Leben ausmacht

An einem Sonntagabend sitzt jemand auf dem Sofa, das Kind schlaeft, die Wohnung ist still. Es war ein guter Tag, eigentlich. Trotzdem bleibt ein diffuses Gefuehl, dass irgendetwas fehlt. Wer sich fragt, woraus ein gutes Leben eigentlich besteht, landet frueher oder spaeter bei einem Modell, das genau diese Frage in fuenf Begriffe zu fassen versucht.

Was das PERMA-Modell beschreibt

Das PERMA-Modell ist ein theoretisches Geruest aus der Positiven Psychologie, das der amerikanische Psychologe Martin Seligman 2011 in seinem Buch "Flourish" vorgelegt hat. Die fuenf Buchstaben stehen fuer Positive Emotion, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment. Jede dieser Dimensionen beschreibt einen eigenstaendigen Aspekt menschlichen Wohlbefindens, der sich nicht auf die anderen reduzieren laesst. Jemand kann tiefe Freude empfinden, ohne einen Lebenssinn zu spueren. Umgekehrt kann ein Mensch in grosser Sinnhaftigkeit leben und trotzdem selten lachen. Die Pointe des Modells liegt darin, dass ein gelingendes Leben nicht aus einer einzigen Zutat besteht, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Dimensionen, die Seligman als "flourishing" bezeichnet, als menschliches Aufbluehen.

Damit verschob Seligman den Fokus der Psychologie ein weiteres Stueck. Bereits 1998, als Praesident der American Psychological Association, hatte er dafuer geworben, die Disziplin von der reinen Defizitbehandlung zu loesen und staerker danach zu fragen, was Menschen gedeihen laesst. Das PERMA-Modell war die reife Formulierung dieser Idee.

Die fuenf Saeulen und ihre theoretischen Wurzeln

Hinter jedem Buchstaben steht ein eigenes Forschungsfeld. Die Dimension Positive Emotion stuetzt sich massgeblich auf Barbara Fredricksons Broaden-and-Build-Theorie. Fredrickson zeigte in experimentellen Studien an der University of North Carolina, dass positive Emotionen weit mehr sind als blosses Wohlgefuehl. Sie erweitern kognitive Spielraeume und foerdern den Aufbau psychologischer Ressourcen, die spaeter Resilienz ermoeglichen.

Engagement geht zurueck auf Mihaly Csikszentmihalyis Flow-Konzept. Wer voellig in einer Taetigkeit aufgeht, bei der Anforderung und Faehigkeit im Gleichgewicht stehen, erlebt einen Zustand, in dem die Zeit verschwindet. Csikszentmihalyi konnte mit Hilfe von Experience-Sampling-Methoden nachweisen, dass solche Momente signifikant mit langfristiger Lebenszufriedenheit zusammenhaengen.

Relationships, die dritte Dimension, wird durch Jahrzehnte der Bindungsforschung gestutzt, die von John Bowlby begruendet wurde. Sichere soziale Bindungen sind kein Luxus, sondern ein psychologisches Grundbeduerfnis. Meaning wiederum fuehrt zu Viktor Frankl und zur existenziellen Psychologie. Eine Metaanalyse von Michael Steger und Kollegen ueber vierzig Datensaetze mit mehr als zehntausend Teilnehmenden fand eine mittlere Korrelation von r = .52 zwischen Lebenssinn und Lebenszufriedenheit, ein bemerkenswert stabiler Zusammenhang. Accomplishment schliesslich meint nicht aeusseren Erfolg, sondern das Erleben, etwas aus eigener Kraft zu bewirken. Hier ueberlappt das Modell mit der Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan, die Kompetenzerleben als eines von drei universellen psychologischen Grundbeduerfnissen identifiziert, neben Autonomie und sozialer Eingebundenheit.

Was die Forschung zeigt und was nicht

Empirisch zeigt sich, dass die fuenf Dimensionen tatsaechlich unterschiedliche Varianz im Wohlbefinden erklaeren. Das PERMA-Modell geht also ueber eindimensionale Masse wie die blosse Lebenszufriedenheit hinaus. Auch Fred Luthans' Forschung zum psychologischen Kapital, die Hoffnung, Selbstwirksamkeit, Resilienz und Optimismus als Ressourcen beschreibt, laesst sich als ergaenzender Mechanismus lesen, der erklaert, wie Menschen die PERMA-Dimensionen ueberhaupt aktivieren koennen.

Wo das Modell an Grenzen stoesst

Dennoch ist Vorsicht angebracht. Kritiker weisen darauf hin, dass die fuenf Dimensionen nicht trennscharf sind. Engagement und Meaning ueberlappen konzeptuell, Accomplishment laesst sich schwer von Kompetenzerleben im Sinne der SDT abgrenzen. Zudem stammt ein Grossteil der empirischen Basis aus westlichen, individualisierten Gesellschaften. Ob das Modell in kollektivistischen Kulturen dieselbe Struktur zeigt, ist nicht abschliessend geklaert. Auch die Frage, ob fuenf Dimensionen genuegen oder ob etwa koerperliche Gesundheit, Naturerleben oder Spiritualitaet eigene Saeulen verdienen, bleibt offen. Seligman selbst hat spaetere Erweiterungen wie PERMA+H (Health) angedeutet. Das PERMA-Modell ist also weniger eine abgeschlossene Theorie als ein nuetzliches Ordnungsraster, das hilft, die richtigen Fragen zu stellen.

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Quellenverzeichnis

Seligman, M. E. P. (2011). Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-Being. Free Press.

Fredrickson, B. L. (2001). The Role of Positive Emotions in Positive Psychology: The Broaden-and-Build Theory of Positive Emotions. American Psychologist, 56(3), 218–226.

Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow: The Psychology of Optimal Experience. Harper & Row.

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2000). The "What" and "Why" of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268.

Steger, M. F., Frazier, P., Oishi, S., & Kaler, M. (2006). The Meaning in Life Questionnaire: Assessing the Presence of and Search for Meaning in Life. Journal of Counseling Psychology, 53(1), 80–93.

Frankl, V. E. (1959). Man's Search for Meaning. Beacon Press.

Luthans, F., Youssef, C. M., & Avolio, B. J. (2007). Psychological Capital. Oxford University Press.

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